Archiv für Oktober 2019

In Gedenken an Jana und Kevin. In Solidarität mit ihren Angehörigen und allen Betroffenen rechter und antisemitischer Gewalt. Gedanken zum rechtsterroristischen Anschlag in Halle

„Ich habe immer daran geglaubt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, sie ist das Ende eines Prozesses.“

An diesem Zitat des Shoah-Überlebenden Elie Wiesel werden wir uns nach diesem 9. Oktober 2019 als Gesellschaft messen lassen müssen.

Zwei Menschen wurden aus antisemitischen und rassistischen Motiven erschossen. Ihr Mörder, der vor seiner Tat den Holocaust leugnete, wollte noch deutlich mehr Menschen töten, nur glückliche Umstände verhinderten dies. Er wollte mit seiner Tat offensichtlich ein Fanal setzen – das ist auch der Grund warum wir seinen Namen hier bewusst nicht nennen. (mehr…)

Redebeitrag bei der Kundgebung der Südviertel-Initiative am 3. Oktober 2019 in Münster

„Wir wollten mal ergebnisoffen mit ihm reden“, so kommentierte der Kreissprecher Martin Schiller die Einladung des Neonazis Andreas Kalbitz durch den AfD Kreisverband Münster. Wir haben an der Stelle eigentlich keine weiteren Fragen zur Positionierung der AfD im Münsterland. Wer ergebnisoffen mit einem Politiker reden will, der sein halbes Leben in der militanten Neonaziszene verbracht hat, der zieht in Erwägung, einem Faschisten zuzustimmen. Daran gibt es nichts falsch zu verstehen, nicht schönzureden und nichts zu relativieren.

Aufmerksame Beobachter*innen der AfD und des Kreisverbandes Münster im Besonderen hat die Einladung des Vertreters des extrem rechten Flügels aber kaum verwundert. Ist es doch die logische Konsequent aus der innerparteilichen Machtpolitik des Kreisverbandes einerseits und seiner fortschreitenden Radikalisierung andererseits. Der Kreisverband Münster hat sich von Beginn an sehr flexibel gezeigt, wenn es um die Frage nach der Positionierung innerhalb der AfD ging. In der Regel passten sich Martin Schiller und seine Kamerad*innen den dort herrschenden Verhältnissen an. (mehr…)

Konzert am 5. Oktober


Der Tag des dümmsten Gesichts (Punk aus Münster)

Zum 1000 Mal in der Baracke, lassen diese Routiniers der Szene keinen Witz ungemacht. Fantastische Songs wie „Geschichtsstunde mit Bernd Höcke“ und „Höcke 2“ bringen in wenigen Sekunden die gesamte Rockgeschichte auf den Punkt. Bei dieser Musik bleibt keine Frage offen. Nazis? Auf’s Maul!


magdebored
(Punk? aus Leipzig)

Dass sie gar nicht in Magdeburg zuhause sind ist kein Problem, mit Haltung, Geschrei und Tönen die nach vorne gehen, schaffen magdebored diese kleine Verwirrung direkt wieder aus den Köpfen. Auf ihrer kleinen Tour freuen wir uns sehr, dass Münster mit auf der Platte steht.

Sektfrühstück (Prost-Punk aus Münster)

Sektfrühstück für alle! Spätestens seit ihrem mega Auftritt zur leo:16 Soliparty sind sie stadtbekannt und geliebt. Stellt euch vor: Post-Punk von Die Nerven und Indie von Candelilla mit etwas Rumgerotze und einem Hauch schwerer Harmonie zusammen, das ist Sektfrühstück.

Wir freuen uns auf Gäste aus Münster und Leipzig, altbekanntes trifft auf frischen Wind. Wir haben wie immer keinen Bock auf Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit oder jede andere Art von Diskriminierung. Alle Erlöse gehen an die Bands und antifaschistische Zwecke.

Unser Redebeitrag bei der Demo am 3.10.2019 in Hamm

3 Jahrzehnte Großdeutschland – deutsche Zustände und rassistische Kontinuität nach der Wende

„Wir sind das Volk!“ so schallte es vor 30 Jahren, im Herbst 1989, durch viele Städte der DDR. Die Oppositionsbewegung ging gegen das autoritäre Regime auf die Straße und forderte Teilhabe, Menschen- und Bürgerrechte ein. Im folgenden Jahr entwickelte sich eine Dynamik, die den selbst-proklamierten antifaschistischen Staat erst kollabieren und schließlich im Oktober 1990 in der Bundesrepublik Deutschland aufgehen ließ.

Zu diesem Zeitpunkt war aus der Parole „Wir sind das Volk!“ längst „Wir sind ein Volk!“ oder gleich ein „Deutschland, Deutschland!“ geworden. Bedenken oder Kritik daran wurden im Sieges- oder Freudentaumel weggewischt und als „antideutsch“ abgetan. Unter dem Gefühl des „Wir sind wieder wer!“ konnte endlich wieder unverhohlen dem Nationalismus gefröhnt werden. Die Nation bildete das Dach unter dem sich alle – Wessi und Ossis, Besiegte und Befreite, Euphorische und Frustrierte – zusammen finden und den versprochenen besseren Zeiten und blühenden Landschaften entgegen blicken konnten. Mitgefiebert wurde auch beim „Volkssport“ Fußball – das wiedervereinigte Deutschland wurde 1990 Weltmeister und sorgte so für kollektive Euphorie. (mehr…)