16.03: Eine Einschätzung der PEGIDA-Bewegung in Ost und West


Im Oktober 2014 ging erstmals eine Gruppierung namens „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) in Dresden auf die Straße. Schnell zeigte sich ein beachtliches Mobilisierungspotential: Die wöchentlichen „Montagsdemonstrationen“ wuchsen auf weit über zehntausend Teilnehmende an. Der massenhafte Zuspruch der rechten Bewegung in Dresden führte zur Gründung zahlreicher Ableger von PEGIDA in deutschen Städten. Anders als in Bonn oder Düsseldorf gelang dem auf „Facebook“ gebildeten Ableger MÜNGIDA nicht der Schritt auf Münsters Straßen.

Organisierende wie Teilnehmende der Demonstrationen hetzen einerseits gegen Muslime und Asylsuchende, andererseits wird eine allgemeine Unzufriedenheit mit „denen da oben“, den etablierten Politiker*innen und Parteien, geäußert. Wenn PEGIDA-Anhänger*innen soziale Probleme wie sinkende Renten oder Arbeitslosigkeit ansprechen, werden diese verknüpft mit rassistischen Vorbehalten: In der „Problemanalyse“ werden stets Zugewanderte pauschal für soziale Probleme verantwortlich gemacht. Man selbst sieht sich als „zu kurz gekommen“ und von der Politik im Stich gelassen, obwohl man doch „das Volk“ verkörpere – während Zugewanderte vermeintlich bevorteilt würden.

Dass es rassistische Ressentiments in der Bevölkerung gibt, ist an sich kein neues Phänomen, wie nicht zuletzt die „Mitte“-Studien der Uni Leipzig seit 2002 regelmäßig zeigen. Neu an der PEGIDA-Bewegung ist allerdings, dass sich dieser Alltagsrassismus als Protest auf der Straße manifestiert. Neu ist außerdem: Die „ganz normalen Leute“ scheuen nicht davor zurück, ihren Unmut gegen „die Politik“, „die Asylbewerber“, „die Muslime“ und „die Lügenpresse“ Seite an Seite mit organisierten Neonazis und rechten Hooligans kundzutun oder, wie jüngst in Leipzig und Dresden, rechtsradikalen Rednern wie dem „neurechten“ Theoretiker Götz Kubitschek zu applaudieren.

Äußert sich mit den PEGIDA-Demonstrationen nur ein allgemeiner Unmut „besorgter Bürgerinnen und Bürger“ oder ist eine neue rechtsradikale Bewegung entstanden? Vor welchem politischen und gesellschaftlichen Hintergrund konnte PEGIDA so rasant anwachsen? Welche Unterschiede bestehen zwischen der Situation im Osten und im Westen? Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Gegenprotest und Widerstand gegen PEGIDA und Co konfrontiert? Mit welchen (langfristigen) Folgen müssen wir rechnen?

Diese und weitere Fragen wollen wir am 16. März 2015 mit zwei sachkundigen Referenten diskutieren:

  • Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler arbeitet beim Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) der FH Düsseldorf und publizierte jüngst die Studie „Die rechten ›Mut‹-Bürger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der »Alternative für Deutschland« (Hamburg 2015)
  • Wolf Meyer lebt in Dresden und engagiert sich dort bei den Protesten gegen PEGIDA und in der Unterstützung von Asylsuchenden.

Montag, 16. März 2015 / 19:00 Uhr
Forum 1 der Volkshochschule Münster, Aegidiimarkt 3, 48143 Münster

Eine gemeinsame Veranstaltung von: Antifaschistische Linke Münster, AStA der Fachhochschule Münster, Bündnis „Keinen Meter den Nazis“, DGB Jugend Münster, IG Bau Bezirksverband Münster-Rheine, Integrationsrat Münster, Interventionistische Linke (IL) Münster, Mobile Beratung im Regierungsbezirk Münster. Gegen Rechtsextremismus – für Demokratie (mobim),ver.di Ortsverband Münster

Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.