15. März: „Solidarität ist eine Waffe“ – Demo in Emsdetten


Seit Monaten kämpfen Arbeiter_innen aus Osteuropa in Emsdetten um ausstehende Löhne sowie bessere Arbeits- und Wohnverhältnisse. Der fleischverarbeitenden Betrie, in dem sie arbeiten gehört der Firma „Finefood“. Unterstützung in ihrem Kampf erhalten sie von Menschen aus Emsdetten. Jetzt planen das Of­fe­ne An­ti­ras­sis­ti­sche Tref­fen [OAT] und die Blei­be­rechts­grup­pe aus Ems­det­ten am 15.​ März ​2014 eine So­li­da­ri­täts­de­mons­tra­ti­on. Die Demo star­tet um 15:00 Uhr am Emsdettener Bahn­hof und wird am Wohn­block an der Tau­ben­stra­ße mit einer Kund­ge­bung, vega­nem Es­sens-​ und Ge­trän­ke­stand und Musik enden. Die Or­ga­ni­sa­tor_in­nen hof­fen auf eine brei­te, spek­tren­über­grei­fen­de und krea­ti­ve De­mons­tra­ti­on und wün­schen sich, dass sich so­wohl Bür­ger_in­nen und Schü­ler_in­nen, als auch An­ti­ra-​ An­ti­fa­grup­pen, Blei­be­rechts­grup­pen, au­to­no­me Struk­tu­ren, Frei­raum-​, Tier­rechts-​ und Rech­t­auf­Stadt-​Grup­pen, Ge­werk­schaf­ten und Par­tei­en an der De­mons­tra­ti­on be­tei­li­gen. Die De­mons­tra­ti­on soll grob in drei Blö­cke ein­ge­teilt wer­den: 1. Be­trof­fe­ne Ar­bei­ter_in­nen von Fine Food 2. An­ti­fa-​, An­ti­ra­grup­pen, sons­ti­ge an­ti­faschs­ti­sche, eman­zi­pa­to­ri­sche und au­to­no­me Grup­pen 3. Ein­zel­per­so­nen, Ge­werk­schaf­ten, Par­tei­en, Ver­ei­ne, Kir­chen­ge­mein­den…

Mehr Informationen findet ihr hier. Im Folgenden der Aufruf zur Demo.

Aufruf

Deutschlandweit steht die Fleischbranche in Verruf und das nicht ohne Grund. Wanderarbeiter_innen aus Osteuropa sind in Schlachthöfen und Zerlegebetrieben längst Mehrheit. Ihre Arbeitsbedingungen und Löhne sind miserabel. So auch in Emsdetten: Die Firma „Fine Food“ gab Teile des Betriebes in die Hände von Subunternehmer_innen, womit die Firma selbst nicht mehr die Verantwortung für die dort Beschäftigten trägt. Die Arbeitsbedingungen in diesen Subunternehmen sind verheerend: 10-18 Stunden-Schichten, minimale Löhne, keine Arbeitsverträge und Krankenversicherungen, mangelnde Schutzkleidung, völlige Isolation von der Außenwelt. Die Betriebsräte sind machtlos – dürfen sich nicht einmischen

Tägliche Schikane und die Vereinzelung der Betroffenen schaffen ein System der Angst, aus dem sie sich meist selbst nicht mehr befreien können. Der Gang zum Rathaus und zum Krankenhaus wird untersagt, eine Verbindung zur Außenwelt somit weiter verunmöglicht. WerProbleme hat oder macht, wird einfach in einer Nacht- und Nebelaktion zurück ins Heimatland gebracht.

Unmenschliche Wohnverhältnisse

Nicht nur die Arbeitsbedingungen, auch die Wohnverhältnisse der Arbeiter_innen sind menschenunwürdig. Es gibt bis heute keine Erklärung zu den Mietverhältnissen. Mietverträge sind nicht vorhanden und bisher wurden hierfür zum Teil unbekannte Beträge von den bar ausgezahlten Löhnen abgezogen. Bis zu 14 Menschen leben in kleinen 3-Zimmer-Wohnungen, schlafen teilweise zu zweit in einem Bett. Dabei sprechen die Betroffenen häufig nicht einmal die gleiche Sprache – soziale Konflikte sind absehbar und vorprogrammiert.

Ausbleibende Löhne

Vor einiger Zeit hat ein Subunternehmen von „Fine Food“ Insolvenz angemeldet und für beinahe zwei Monate wurden keine Gehälter gezahlt. Die Arbeiter_innen konnten sich nicht mehr selbst versorgen und waren auf Lebensmittel- und Sachspenden durch Außenstehende angewiesen. In Zusammenarbeit mit der Tafel, der Initiative „Bürgerinnen und Bürger für Humanität und Bleiberecht“ und durch private Spenden hat das „Offene Antirassistische Treffen Emsdetten“ den Bedarf an Nahrungsmitteln grötenteils decken können. Doch das kann und darf keine Dauerlösung sein.

Neue Verträge – Weiterhin prekäre Arbeitsverältnisse

Die neuen Arbeitsverträge sind laut NGG teilweise rechtswidrig. Weiterhin bestehen prekäre Arbeitsverhältnisse und die Verträge erlauben den Arbeitgeber_innen, willkürlich über die Arbeiter_innen zu verfügen. So kann der Arbeitgeber, ohne Angabe einer Frist, Arbeiter_innen in ganz Deutschland stationieren und von heute auf morgen kann jede_r Werkvertragsarbeiter_in davon betroffen sein. Wenn sich die neue Firma und Sprehe damit brüsten, dass der gezahlte Lohn sogar über dem Mindestlohn liege, sollte mensch dazu sagen, dass das nur zutrifft, wenn Anwesenheitsprämie und Akkordprämie generell hinzugerechnet werden. Außerdem wurde uns berichtet, dass noch immer viel zu lange Schichten übernommen werden müssen und dass weiterhin dubiose Drohungen und „Verhaltensstrafen“ durch den Vorarbeiter getätigt werden.

Unsere Forderungen:

Wir fordern, dass die Wohnbedingungen durch Sprehe radikal verbessert werden. Die Unterbringung der Arbeiter_innen muss menschenwürdig sein.

Wir fordern eine unverzügliche Auszahlung der ausstehenden Löhne aus 2013 und 2014! Außerdem fordern wir nachvollziehbare Lohnabrechnungen in den jeweiligen Landessprachen.

Wir fordern die Firma Sprehe auf, die Ausbeutung der ost- und südeuropäischen Menschen, die in ihrem Unternehmen arbeiten, zu beenden und sie zukünfitg mit festen Arbeitsverträgen mit tariflicher und sozialer Absicherung nach hier gültigem Arbeitsrecht zu beschätigen. Ein 3-Klassen-System aus Festangestellten, Leiharbeiter_innen und Werkvertragsbeschäftigten ist nicht zu tolerieren.