No pasamos, pero…*

* wir sind nicht durchgekommen, aber…, so der Titel unser Broschüre zur Dokumentation der Aktionen gegen den Naziaufmarsch vom 3. März 2012 in Münster.

Da wir die Druckkosten alleine tragen müssen bitten wir euch um eine Spende von 2€ pro Broschüre

In Münster erhaltet ihr die Broschüre jetzt im Buchladen Rosta, Ägidiistr. 12, 48143 Münster und bei roots of compassion, Friedensstr. 7, 48145 Münster. Außerdem könnt ihr sie bei PHOBIACT RECORDS, Disgusted Youthund Black Mosquito online bestellen.

cover

Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,

am 3. März 2012 konnten über 300 Nazis durch das Rumphorst-Viertel im Norden Münsters marschieren. Rund 7000 Menschen protestierten an diesem Tag gegen die Nazis und ihre rassistische Ideologie. Viele wollten sich den Nazis direkt in den Weg stellen und anknüpfend an die erfolgreichen Blockaden im Jahr 2006 den Naziaufmarsch stoppen. „Keinen Meter den Nazis“ war das Motto und das erklärte Ziel des breiten antifaschistischen Bündnisses. Mit Sitzblockaden sollte der Aufmarsch verhindert werden. Trotz großer Sympathie und Unterstützung für dieses Anliegen und trotz diverser Versuche die Aufmarschroute zu blockieren, gelang es nicht, die Nazis zu stoppen. Während die Polizei zum Teil mit massiver Gewalt gegen den vielfältigen Protest vorging, wurden den Neonazis Rosen auf den Weg gestreut. Ihre antisemitischen Reden sowie volksverhetzenden Parolen blieben ohne Konsequenzen. Der Polizeieinsatz am 3. März hatte das klare Ziel, den Naziaufmarsch um jeden Preis und gegen den Willen der Bevölkerung von Münster durchzusetzen. Dazu riegelte die Polizei das Viertel hermetisch ab, stellte es seit den frühen Morgenstunden unter einen regelrechten Ausnahmezustand, schikanierte die Anwohner*innen und deren Freund*innen, bedrohte die an den Absperrungen Protestierenden mit mehreren Wasserwerfern und verhinderte so eine erfolgreiche Blockade des Aufmarsches. Gegen Antifaschist*innen wurde an vielen Stellen Pfefferspray, Schlagstöcke, Pferde und Hunde eingesetzt, ein 20-jähriger dabei durch Polizist*innen schwer verletzt. Das ist das erste Fazit, welches wir ziehen müssen.

In den Tagen und Wochen nach dem Aufmarsch standen vor allem die Gewalt und die Schikanen seitens der Polizei im Mittelpunkt der Diskussion. Warum diese den Naziaufmarsch mit solchem Einsatz durchdrückte, die Nazis hofierte und Protestierenden wie Anwohner*innen massiv in ihren Grundrechten einschränkte, stieß zu Recht auf Unverständnis und Kritik – nicht zuletzt deshalb, weil die Polizeiführung um Hubert Wimber zu keinen Entschuldigungen fähig war. Zwangsläufig etwas aus dem Blick geriet, wie umfangreich und vielfältig die antifaschistischen Proteste am 3. März waren. Wir versuchen in dieser Broschüre deshalb einen Überblick über die Proteste in Münster zu geben. Manche Aktionen sind relativ gut dokumentiert, bei anderen haben wir trotz intensiver Suche keine guten Fotos gefunden. Wir haben mit vielen Beteiligten gesprochen, um ein möglichst genaues Bild des Tages zeichnen zu können. Trotzdem werden wir vielleicht Aktionen vergessen oder nicht vollständig wiedergegeben haben. Das bitten wir zu entschuldigen. Wir danken allen, die Texte und Einschätzungen für diese Broschüre beisteuerten.

Diese Broschüre ist das Ergebnis der Auswertungsdiskussion innerhalb der Antifaschistischen Linken Münster (ALM). Wir haben uns als Antifa-Gruppe in 2008 gegründet und sind seitdem kontinuierlich im Kampf gegen Neonazis sowie andere rassistische und nationalistische Organisationen aktiv. Wir gehören zum Initiativkreis derjenigen Gruppen, die im Winter 2011 als Reaktion auf die Ankündigung des Naziaufmarsches das „Keinen Meter“-Bündnis gründeten. Wir wollten damit an unsere Erfahrungen aus 2006 sowie den antifaschistischen Aktionen der letzten Jahre in Köln, Dresden und Dortmund anknüpfen. Den großen Zuspruch, der dem „Keinen Meter“-Bündnis entgegen gebracht wurde, und die vielen Tausend Menschen, die gegen die Nazis auf die Straße gingen, zeigen uns, dass das Ziel, Naziaufmärsche mit Aktionen des zivilen Ungehorsams zu stoppen, das Richtige ist. Wir wollen die Erfahrungen des 3. März in die Weiterentwicklung dieser Konzepte einfließen lassen.

Am 3. März haben sich viele Menschen engagiert, ohne deren tatkräftige Unterstützung die Proteste nicht möglich gewesen wären. Wir danken unseren Bündnispartner*innen, unseren angereisten Genoss*innen von außerhalb, den Demo-Sanis, den Menschen von Infobüro und Ermittlungsausschuss (EA), den Kochcrews, den Betreiber*innen der Rückzugsorte, unseren Rechtsanwält*innen, den Parlamentarischen Beobachter*innen, der Presse-AG sowie allen Menschen, die in ihrem Freundeskreis, in der Schule oder auf der Arbeit für „Keinen Meter“ mobilisiert haben, die Plakate und Aufkleber klebten. Nicht zuletzt Allen, die am 3. März in Münster auf der Straße waren, um sich den Nazis mit unterschiedlichen Mitteln in den Weg zu stellen.

Antifaschistische Linke Münster (ALM) im August 2012

www.antifa-muenster.de.ms

Inhaltsverzeichnis

Editorial | 4
Aufruf des „Keinen Meter“ -Bündnis | 6
Kundgebungen des „Keinen Meter“ -Bündnis | 8
Redebeitrag der Antifa Linken Münster | 10
Blockadversuch am Edelbach | 12
Sitzblockade Im Hagenfeld / Bahnhof Zentrum-Nord | 15
Fahrradkorso aus dem Hansaviertel | 20
Proteste an der Kösliner Straße | 21
Anreise aus dem Norden | 22
Blockade im Hauptbahnhof und antifaschistische Spontandemo | 24
Anreise aus dem Umland und Anti-Nazidemo in Telgte | 25
Proteste der Anwohner*innen im Rumphorstviertel | 26
Aktionen auf und an der Nazi-Route | 30
Kundgebung an der Kreuzung Telemannstraße / Hoher Heckenweg | 31
Polizeiübergriff auf der Stettiner Straße | 32
Demonstration gegen Polizeigewalt | 34
Der Naziaufmarsch | 36
Unabhängiege Infrastruktur | 38
Antifa- Demonstration in Hamm | 41
Redebeitrag der Antifa Linken Münster in Hamm | 42
Fazit | 44
Impressum | 51