In der Stadt kaum wahrnehmbar

Zu den Aktivitäten der „Nationalen Sozialisten Münster“

Das Sommerloch bescherte den Neonazis in Münster ungewohnte Aufmerksamkeit. Die Ankündigung einer für den Aufmarsch am 3. September in Dortmund werbenden Bustour der Neonazis sowie das Gerücht, eine Station dieser Tour könnte Münster werden, hatten die Münstersche Zeitung dazu veranlasst, groß über die „Nationalen Sozialisten Münster“ zu berichten. Die Tendenz des Artikels ist allerdings zurück zuweisen: Zwar existiert in Münster, wie in anderen Städten auch, eine parteifreie Neonazi-Gruppe, diese wird allerdings nicht „immer aktiver“ und ist auch alles andere als stark. Eine kurze Einschätzung aus antifaschistischer Sicht.


Transparent der „Nationalen Sozialisten Münster“ in Stolberg, April 2010

„Nationale Sozialisten Münster“ (nasoms) nennt sich eine etwa zehn Personen, größtenteils junge Männer, umfassende Gruppe Neonazis, die zum Teil in Münster wohnen und zum Teil aus Städten des münsterländischen Umlands wie Warendorf oder Ibbenbüren stammen. Erstmals tauchten im November 2009 einige Aufkleber auf, die mit „Nationale Sozialisten Münster“ unterzeichnet waren. Im Internet wurde zudem über die „Gründungsveranstaltung“ berichtet. Seit Frühjahr 2010 verfügen die Neonazis über eine eigene Internetseite, in der lokalpolitische Themen kommentiert und über Aktionen der Szene berichtet wird. Viele Beiträge geben Pressemitteilungen der Polizei wieder. Sie dienen den Neonazis als Beleg für angeblich „besondere“ Kriminalität von „Fremden“.

Feindbilder
Wie der Gruppename schon vermuten lässt verstehen sich nasoms selbst als Nationalsozialisten, also als Nazis in der Tradition der NSDAP. Auch inhaltlich stehen sie ganz in der Tradition der faschistischen Bewegungen. Wirtschaftspolitisch fordern sie eine „Nationalisierung der Wirtschaft mit der Kernausrichtung auf Autarkie“ und die „Abschaffung der Zinsen“. Verbunden mit der Ausgrenzung aller von ihnen als nicht-deutsch definierten Menschen soll so eine „Volksgemeinschaft“ (wieder-) entstehen, in der die Neonazis dann paradiesische Zustände vermuten. Rassismus und Antisemitismus sind der Kern der „Weltanschauung“ wie sie von den „Nationalen Sozialisten Münster“ verbreitet wird. Im Internet wird sich über Rassentheorien ausgelassen und zur „Sicherung der biologischen Existenz unseres Volkes“ ein sofortiger „Einwanderungsstopp“ gefordert. In ihren Allmachtsfantasien gefangen planen die „Nationalen Sozialisten Münster“ schon mal in Gedanken, welche Maßnahmen nach der „Machtergreifung“ durchzuführen sind: „Über einen Stufenplan, wird dann die Abschiebung der bisher in Deutschland lebenden Ausländer innerhalb von 5 Jahren, angefangen bei kriminellen und Arbeitslosen Ausländern, geregelt.“
Glücklicherweise sind sie von der Möglichkeit der Umsetzung ihrer verbrecherischen und wahnhaften Ideen meilenweit entfernt. So bleibt ihnen zurzeit nichts anderes als in Flugblättern und im Internet zu hetzen: gegen Demokratie, gegen Linke, gegen Minderheiten. Auch Homosexuelle und Feminist_innen sind Zielscheibe ihrer verbalen Angriffe. Die „Nationalen Sozialisten Münster“ vertreten äußerst konservative Vorstellungen von Familie, Ehe und Sexualität. Homosexualität gilt als widernatürlich, Schwangerschaftsabbrüche werden abgelehnt, „Familienpolitik“ soll ausschließlich der Förderung von „Nachwuchs für das deutsche Volk“ dienen.

Aktivitäten
Im Frühjahr 2010 zeigte die Gruppe erstmals ein eigenes Transparent auf dem Naziaufmarsch im rheinländischen Stolberg. Im Block hinter dem Transparent liefen aber nicht nur Münsteraner, sondern ebenso Mitglieder von Neonazi-Gruppen aus Hamm, Ahlen und dem Kreis Unna. Zu diesen deutlich aktiveren und länger bestehenden Gruppierungen pflegen die „Nationalen Sozialisten Münster“ die intensivsten Kontakte. Man läuft nicht nur in gemeinsamen Blöcken auf Demonstrationen, sondern besucht auch nicht-öffentliche Schulungsveranstaltungen und Feierlichkeiten der Szene. Die Mitglieder der „Nationalen Sozialisten Münster“ gehören zum festen Personenpotential, welches die Neonazi-Gruppen aus dem östlichen Ruhrgebiet mobilisieren können.
Mehrfach wurden in letzter Zeit Veranstaltungen besucht, die von städtischen Institutionen organisiert wurden, um dort im Sinne der „Wortergreifungsstrategie“ politische Statements abzusondern. So tauchte eine Gruppe Neonazis aus Hamm, Münster und dem Kreis Warendorf bei Diskussionsveranstaltungen in Warendorf zum Thema Rechtsextremismus und in Hamm auf einer Bürgerversammlung zum geplanten Moscheebau auf. Neben diesen Kooperationen fällt vor allem auch eine starke Orientierung der „Nationalen Sozialisten Münster“ am Auftreten und der politischen Praxis der „Kameradschaft Hamm“ und den „Autonomen Nationalisten Ahlen“ auf. Jüngst wurde die Idee, ein „Monatsblatt“ herauszugeben übernommen. In dem kopierten DIN A4-Zettel sind Artikel von der Internetseite nachgedruckt.
In Münster selbst sind Aktivitäten der „Nationalen Sozialisten Münster“ selten und kaum wahrnehmbar. Artikel auf der Internetseite berichten zwar hin und wieder über verteilte Flugblätter oder eine anlässlich des bevorstehenden „nationalen Antikriegstags“ in Dortmund begonnene „Mobilisierungsarbeit“. Von angeblich verklebten „zig Plakaten“ ist aber im Stadtgebiet nichts zu sehen. Auch sind die Zahlenangaben zu verteilten Flugblättern mit aller höchsten Vorsicht zu betrachten. Im August berichteten die “Nationalen Sozialisten Münster” auf ihrer Website “unbekannte” Täter hätten im Stadtgebiet „mehrere Transparente“ mit der Aufschrift „In Gedenken an Rudolf Heß“ zur Erinnerung an den Hitler-Stellvertreter aufgehängt.

Verhältnis zur NPD
Vor der Landtagswahl haben die „Nationalen Sozialisten Münster“ nach eigenen Angaben drei Wochen lang Wahlkampfhilfe für die NPD betrieben. Zur Begründung schrieben sie:„Wenn uns von der NPD auch einige Ansichten klar trennen, so überwiegen doch die Gemeinsamkeiten. Immerhin ist die NPD die letzte verbliebene parlamentarische Kraft die feststellt das Deutscher nur sein kann, wessen Eltern Deutsche waren!“ Die im Münsterland personell schwache NPD wird diese Unterstützung zu schätzen wissen. Eine Kooperation der NPD mit den gewalttätig vorgehenden und offen neonazistischen „Kameradschaften“ und „Autonomen Nationalisten“ ist vor allem im östlichen Ruhrgebiet üblich. Dort sponsort die NPD, in Person des Kreisvorsitzenden Hans Jochen Voß, die „Freien Kameradschaften“ auch mit finanziellen Mitteln.

2011
Naziaufmarsch in Stolberg, April 2011. Das Münster-Transparent führt einen Block von Neonazis aus Hamm, Dortmund, und den Kreisen Warendorf und Unna an