Archiv für Juni 2010

Gegen das Bundeswehr-Spektakel vor dem Schloss

Am Mittwoch, den 30. Juni will die Bundeswehr ihr Luftransportkommando mit einem großen Militärspektakel feiern. Auch wenn der angekündigte „Große Zapfenstreich“ ausfällt und das Programm von der Bundeswehr etwas herunter gefahren wurde, finden Protestaktionen statt. Ab 21.00 Uhr ist eine Kundgebung am Hindenburgplatz angemeldet. Mehr Infos hier.

Antifa-Print #5 ist online

Nach einem Jahr Pause erscheint nun unser Infoblatt „Antifa-Print“. Ihr könnt es hier downloaden oder findet es an verschiedenen Stellen in Münster in der gedruckten Form. Die Themen diesmal: WM und Nationalismus, Abschiebungen von Roma, Repression nach dem 1000 Kreuze Marsch, Nazis in Münster, Interview mit der Jugendantifa Münster…

WM & Nationalismus: Kein Bock auf euer WIR!

wm

Nein, wir sind nicht der Papst. Und auch nicht Lena. Und wir werden auch kein Weltmeister.
Immer dann, wenn die Deutschen sich selber feiern, wird es eine ziemlich miese Party; eine Veranstaltung, auf die wir einfach keinen Bock haben. Spätestens dann, wenn sich zur Fussball-WM vom nervenden Chef über den stressenden
Nachbarn, Onkel, Tante, Schwester und Arbeitskollegin bis zum Zahnarzt nahezu 80 Millionen Deutsche unter ihrer geliebten Fahne zusammen finden und „Steh auf, wenn du ein Deutscher bist“ grölen, bleiben wir lieber sitzen oder suchen das Weite. Wir haben keine Lust auf diese Party, unser Spaß sieht anders aus.
Dementsprechend bleibt uns nicht viel mehr, als sehnsüchtig auf den Moment zu warten, in dem der Referrie endlich das Spiel abpfeift, in dem das deutsche Team aus dem Spektakel ausscheidet, die nationalen Gemüter langsam wieder etwas runterkochen und die unzähligen schwarz-rot-gelben Lappen von den Autodächern verschwinden.
Nein, wir lieben dieses Land nicht. Warum auch? (mehr…)

Antifa-Camp 2010 im Rheinland

antifa camp 2010

Es ist soweit, ab sofort könnt Ihr Euch für das Antifa Camp im Rheinland anmelden.

Das Camp beginnt am Mittwoch, den 18. August und geht bis zum Sonntag, den 22. August.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein vielseitiges Programm mit vielen Workshops und Diskussionsrunden. Mit dabei sind wieder Angebote zu Themen wie Antifaschismus, Militarismus, Sexismus, Kapitalismuskritik und vieles mehr. Auch praktische Tips für die Arbeit vor Ort, Kultur, Party und Zeit für den Austausch mit „alten Hasen“ und Leuten und ganz neu dabei sind, werden nicht zu kurz kommen. Das vorläufige Programm gibt es wenigen Tagen auf www.antifa-camp.de

„Ein Leben auf der Müllhalde“ – GGUA informierte über drohende Abschiebungen

„Die Roma haben im Kosovo keine Lebensperpektive. Es droht ihnen ein Leben in Slums oder Flüchtlingslagern wie Osterode in Nord-Mitrovica, dass mit Schwermetallen wie Blei kontaminiert ist.“ So schildert Ulrike Löw von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA) die bedrohlichen Verhältnisse, die abgeschobene Roma im Kosovo erwarten. Löw informierte am Donnerstag die weit über 40 interessierten BesucherInnen der antifaschistischen Bildungsreihe „Searchlight“ im Club Courage über die geplanten Abschiebungen von Bürgerkriegsflüchtlingen.

Bundesweit sollen 14.000 Menschen nach dem Willen des Bundesinnenministeriums Deutschland zwangsweise verlassen, darunter etwa 10.000 Roma.In Münster sind 260 Roma bedroht. Als Minderheit sind Roma im Kosovo auch alltäglichen Diskriminierungen und gewalttätigen Angriffen von albanischen Nationalisten ausgesetzt. Schon während des Kosovokrieges gerieten sie zwischen die Fronten: „Roma wurden sowohl von albanischen als auch serbischen Nationalisten und Paramilitärs als Kollaborateure verdächtig und verfolgt. Auch noch nach dem Einmarsch der Natotruppen nahmen die Angriffe nicht ab, ganze Stadtviertel von Roma wurden dem Erdboden gleichgemacht“, so Löw. Die Roma, die sich nach Deutschland retten konnten, erwartete hier ein Leben ohne sicheren Aufenthaltsstatus. Da sie „nur“ Bürgerkriegsopfer sind, wurden sie nicht als Flüchtlinge anerkannt, sondern nur „geduldet“. Seit zehn Jahren müssen sie alle drei bis sechs Monate ihre „Duldung“ verlängern lassen; die Angst vor der Abschiebung wurde so ihr ständiger Begleiter.

Trotzdem konnten sie sich in Münster eine Lebensperspektive aufbauen. Löw: „Ihr Leben und ihre Heimat in Münster soll den Roma nun genommen werden. Besonders schlimm ist dies für die in Deutschland geborenen Kinder, die das Kosovo nur aus Erzählungen kennen und auch kein albanisch oder serbisch sprechen.“ Die anwesenden BesucherInnen waren sich einig, dass nur ein sofortiger Abschiebestopp und ein Bleiberecht für die Roma eine Lösung sein kann. Für das Engagement der GGUA im Rahmen ihrer Kampagne Aktion 302 wurden an diesem Abend sicherlich viele neue UnterstützerInnen gefunden.

8. Mai 2010: Redebeitrag

„Warschau. Aachen. München.“ Als der wachhabende Soldat der Auschwitz-Überlebenden Celine van der Hoek, welche vor zwei Jahren an dieser Stelle zu uns sprach, diese Städtenamen ins Ohr flüsterte, wusste sie, es besteht noch Grund zur Hoffnung. Hoffnung zu Überleben. Denn mit jeder weiteren Stadt, welche durch die alliierten Armeen eingenommen wurde, rückte der Sieg über den faschistischen Aggressor ein Stück näher, wuchs die Wahrscheinlichkeit den deutschen Peinigern und Mördern zu entkommen. Am 8. Mai 1945 war Deutschland endlich besiegt und die Freude sowie Erleichterung ist nicht nur bei den meisten Menschen in den von Nazideutschland besetzten Ländern riesengroß gewesen. Nach 12 Jahren, in denen die Nazis in Deutschland an der Macht waren und nach 6 schier unendlich langen Kriegsjahren lag Europa im Frühjahr 1945 in Schutt und Asche. Schätzungsweise 55 Millionen Menschen haben im Zuge des deutschen Vernichtungskrieges ihr Leben verloren. Kein Mensch, auch nicht die kritischsten und wachsamsten Intellektuellen, die schon frühzeitig vor den Nazis und den Gefahren des Nationalismus, Rassismus und des Krieges warnten, dürfte geahnt haben, was für Verbrechen unbegreifbaren Ausmaßes nach der Machtübertragung an Hitler und seine mörderische Gefolgschaft verübt werden sollten. (mehr…)

Veranstaltungen am 8. Mai 2010

8.mai2010
Auch im diesen Jahr organisieren wir zusammen mit der VVN – BdA einen Programm zum “Tag der Befreiung”. Alle interessierten AntifaschistInnen sind herzlich eingeladen. Das Programm beginnt mit der traditionellen Gedenkkundgebung am Zwinger, dem ehemaligen Gestapo-Folterort an der Promenade. Da der 8. Mai in diesem Jahr ein Samstag ist, beginnt die Kundgebung schon zwei Stunden früher als üblich – um 16.00 Uhr statt um 18.00 Uhr!

16:00 Uhr: Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus
Zwinger, Promenade Ecke Kanalstraße
Redebeiträge, literarischer Beitrag, Gedenken

18:00 Uhr:
Zeitzeuginnen-Gespräch
ESG, Cafe Weltbühne, Breul 43
Wir freuen uns dieses Jahr Walfriede Drewes und eine Zeitzeugin aus der jüdischen Gemeinde Münster zum Gespräch begrüßen zu können. Frau Drewes ist 85 Jahre alt und Kommunistin aus Velbert. Die andere Zeitzeugin war Zwangsarbeiterin in Nazi-Deutschland. Sie werden von ihren Erlebnissen berichten.

22:00 Uhr:
Gala zum 65. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland
Club Courage, Friedensstraße 42 (Hinterhof)
Ausklang des Tages mit einer kleinen Feierlichkeit im Club Courage.

Hinweis: Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist Mitglieder der rechten Szene nicht gestattet. Die VeranstalterInnen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Dossier: Huldrefolk und Forgotten Tombs

Am 9. April 2010 sollten die beiden Black Metal Bands „Huldrefolk“ (Belgien) und „Forgotten Tomb“ in Münster spielen. Der Club sagte das Konzert aber wieder ab, als klar wurde, dass beide Bands keine Berühungsängste zur extremen Rechten haben. Damit die Bands nicht an einem Ausweichort auftreten können, veröffentlicht die Antifaschistische Linke Münster nun ihre Rechercheergebnisse. Hier gibt es das Dossier als pdf. (mehr…)

JN-Bezirksbeauftragter Marcel Huesmann nahm an 1000-Kreuze-Marsch teil

huesmann

Unter den 100 Teilnehmenden des “1000-Kreuze-Marsches” von fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen nahm auch eine Gruppe von Neonazis teil. Unter ihnen befand sich Marcel Huesmann (Jhg.1991), der seit Anfang diesen Jahres “Bezirksbeauftragter Münsterland/OWL” der NPD-Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” ist.

Inhaltliche Berührungspunkte zwischen Neonazis und fundamentalistischen ChristInnen gibt es nicht nur in der Ablehnung von Feminismus, Homosexualität und Schwangerschaftsabbrüchen. Beide Gruppen sorgen sich um den ‘Fortbestand des deutschen Volkes’, da die Geburtenrate in Deutschland niedriger als in anderen Länder sei. Während in Europa Bevölkerungsschwund und Geburtenboykott vorherrsche, explodierten die Bevölkerungen in anderen Teilen der Welt. Das ist eine rassistische Argumentation, der ein völkischer Nationsbegriff und Angst vor „Überfremdung“ zu Grunde liegen.

Teilnahme der NPD an EuroProLife-Märschen
Die Gebetszüge werden von der fundamentalistischen Initiative EuroProLife bundesweit organisiert. Neonazis nahmen am Samstag nicht zum ersten Mal daran teil. Bereits 2008 beteiligte sich eine große Gruppe “Freien Nationalisten” und des NPD-Ablegers “Bürgerinitiative Ausländerstopp” an einem “1000-Kreuze-Marsch” in München, ohne dass sie von Seiten des Veranstalters verwiesen wurden. Anders als in Münster hatten die Neonazis ihr Kommen zuvor angekündigt, ohne dass EuroProLife dies problematisch gefunden hatte. Erst nach dem Marsch und öffentlicher Kritik distanzierte sich das Präsidium öffentlich. Auch in Münster störte sich der Veranstaltungsleiter nicht an den extrem rechten Jugendlichen.

Was von antifeministischer und homophober Hetze, weltfremder Frömelei und der Entrechtung von Frauen über die Entscheidungsfreiheit über den eigenen Körper zu halten ist, machten gut 250 GegendemonstrantInnen lautstark deutlich: Sie mischten sich am Samstag unter die FundamentalistInnen und begleiteten den Gebetsmarsch bis zu seinem Endpunkt am Dom. Sie riefen Parolen, protestierten mit Schildern und Transparenten und provozierten mit einem „Kiss-In“.

Weiterlesen:
1) Bericht des Bündnis Gegen 1000 Kreuze
2) Hintergründe über die FundamentalistInnen im Münsterland